Field Notes / Phishing
Phishing-Angriffe in der Schweiz 2026: Zahlen, Trends und wirksamer Schutz
Über 12'000 Phishing-Meldungen beim BACS, Quishing, KI-Mails und geklonte Stimmen. Was Schweizer Unternehmen 2026 wirklich trifft und wie Sie Ihre Klickrate messbar senken.
01 Warum Phishing weiter zunimmt
Die Zeiten der plumpen E-Mail mit Rechtschreibfehlern sind vorbei. Was heute in den Posteingängen Schweizer Firmen landet, ist präzise, sauber formuliert und auf das Opfer zugeschnitten. Genau deshalb steigen die Zahlen, und genau deshalb reicht der alte Reflex, verdächtige Mails am schlechten Deutsch zu erkennen, nicht mehr aus.
Phishing ist der Türöffner, nicht das Ziel. Laut dem Verizon Data Breach Investigations Report 2024 sind rund 68 Prozent aller erfolgreichen Datenpannen auf ein menschliches Element zurückzuführen, also auf einen Fehler oder auf Social Engineering Verizon DBIR 2024 . Ein einziger Klick genügt. Ist die erste Anmeldung erbeutet, sieht der Angreifer aus wie ein Mitarbeitender, liest mit und lernt, wie in Ihrem Haus Geld fliesst.
Für Schweizer Unternehmen kommt der Regulator dazu. Seit dem 1. April 2025 melden Sie einen erheblichen Cybervorfall innert 24 Stunden ans BACS. Das revidierte Datenschutzgesetz verlangt angemessene technische und organisatorische Massnahmen. Wer ein bekanntes Einfallstor offen lässt, trägt zwei Rechnungen: den Schaden aus dem Angriff und die Folgen aus der Meldepflicht. Beides löst derselbe Klick aus.
02 Die neuen Angriffsmuster
Drei Muster tragen die Zunahme 2026. Sie haben eines gemeinsam. Sie umgehen die Technik, auf die sich die meisten Betriebe verlassen, und zielen direkt auf den Menschen am Bildschirm.
QR-Code-Phishing (Quishing)
Quishing hat sich zum am schnellsten wachsenden Angriffsvektor entwickelt. Angreifer platzieren manipulierte QR-Codes auf gefälschten Parkuhren-Aufklebern, in vermeintlichen Paketbenachrichtigungen und auf physischen Briefen, die wie Post von Bank oder Behörde aussehen. Der Code führt auf eine gefälschte Anmeldeseite. Laut HP Wolf Security stieg die Zahl der QR-basierten Angriffe 2024 um über 600 Prozent HP Wolf 2024 . Das BACS warnte im Oktober 2024 ausdrücklich vor gefälschten QR-Rechnungen.
Der Grund für die Wirkung liegt in der Technik. QR-Codes sind Bilder, keine klickbaren Links. Sie passieren die meisten E-Mail-Filter unbemerkt. Gescannt wird obendrein meist mit dem privaten Smartphone, das ausserhalb Ihrer Sicherheitsinfrastruktur liegt und dort keinen Schutz findet.
KI-gestütztes Phishing
Generative KI hat die Hürde für saubere Angriffe eingerissen. Ein Angreifer erzeugt heute fehlerfreies Schweizer Hochdeutsch, inklusive regionaler Formulierungen und branchenspezifischem Vokabular. Aus öffentlichen Quellen wie LinkedIn, Handelsregister und Firmenwebsite baut er massgeschneiderte Spear-Phishing-Mails. Chatbots führen das Gespräch in Echtzeit weiter und bauen Vertrauen auf. Laut SlashNext stieg das Volumen von Phishing-Mails seit der breiten Verfügbarkeit generativer KI-Werkzeuge um 1'265 Prozent SlashNext 2023 .
Deepfake-Stimmen und -Videos
Am gefährlichsten sind geklonte Stimmen. Der Angreifer imitiert die Stimme eines CEO oder CFO und ruft die Finanzabteilung an, um eine dringende Überweisung zu erwirken. Diese Vishing-Angriffe haben mehrere Schweizer Betriebe getroffen. Sie sind erfolgreich, weil sie Autorität und Zeitdruck kombinieren, zwei Hebel, gegen die kein Filter hilft.
03 Warum alter Schutz versagt
Die meisten Betriebe setzen auf E-Mail-Filter, Spam-Erkennung und eine jährliche Schulung. Vor fünf Jahren war das solide. Gegen die heutigen Angriffe reicht es nicht mehr. Die folgende Übersicht zeigt, wo jede Massnahme reisst.
| Schutzmassnahme | Warum sie 2026 versagt |
|---|---|
| E-Mail-Filter | KI-generierte Mails tragen keine typischen Spam-Merkmale und bestehen die meisten automatisierten Prüfungen. |
| SPF, DKIM und DMARC | Wichtig, aber wirkungslos gegen Business Email Compromise, bei dem der Angreifer ein echtes Konto übernimmt. |
| QR-Codes in Mails | Werden als Bild gelesen, umgehen Link-Prüfungen und landen auf dem ungeschützten Privatgerät. |
| Jährliches Awareness-Training | Der Lerneffekt verpufft nach vier bis sechs Monaten, das Verhalten ändert sich nicht dauerhaft. |
Dazu kommt der Faktor Vergessen. Nach der Vergessenskurve nach Ebbinghaus gehen rund 70 Prozent des Gelernten innerhalb von 24 Stunden verloren, wenn es nicht wiederholt wird. Ein Mitarbeitender erkennt Phishing im Schulungsbeispiel und versagt drei Monate später beim echten Angriff im Arbeitsalltag. Das ist kein Personalproblem. Es ist ein Trainingsproblem.
04 Was wirklich wirkt
Wirksamer Schutz liefert eine Zahl, die sinkt, nicht ein Zertifikat, das an der Wand hängt. Bei Red Team Partners senken wir Ihre Klickrate über drei Phasen, abgestimmt auf die Angriffe, die Ihre Branche tatsächlich treffen.
| Phase | Was passiert | Was Sie erhalten |
|---|---|---|
| Baseline-Assessment | Unangekündigte Simulation mit Quishing, Spear-Phishing und Business Email Compromise. | Ihre echte Anfälligkeit als Zahl, aufgeschlüsselt nach Abteilung. |
| Gezieltes Training | Wer hereinfällt, erhält im selben Moment kontextbezogenes Feedback. | Verhaltensänderung dort, wo die Lernbereitschaft am höchsten ist. |
| Kontinuierliche Simulation | Regelmässige, zunehmend anspruchsvolle Angriffe halten das Niveau. | Eine Klickrate, die niedrig bleibt, statt einmal jährlich zu kippen. |
Der Fortschritt läuft nicht in einer PDF, die niemand liest. RTP Robin ist das Dashboard, in dem Sie jede Simulation, jede Klickrate und jede Meldequote in Echtzeit sehen. Ein Mensch aus dem Operator-Team prüft die Ergebnisse, bevor sie Sie erreichen, und Ihre Geschäftsleitung liest den Stand auf einer Seite. So wird aus Bewusstsein eine Kennzahl, die Sie steuern.
05 Sofortmassnahmen für 2026
Unabhängig davon, ob Sie schon ein Awareness-Programm haben, diese Massnahmen schliessen die grössten Lücken sofort. Jede davon senkt Ihr Risiko messbar, und keine davon braucht ein Grosskonzern-Budget.
- Phishing-resistente MFA (FIDO2/WebAuthn) für alle Konten aktivieren, besonders E-Mail und VPN. Microsoft blockiert damit den Grossteil der Kontoübernahmen.
- Ein-Klick-Meldebutton in Outlook oder Gmail einrichten, damit verdächtige Mails schnell und einfach gemeldet werden.
- QR-Code-Richtlinie definieren: klare Regeln für QR-Codes in E-Mails, Dokumenten und physischer Post.
- Vier-Augen-Prinzip für jede Überweisung über einem festen Schwellwert einführen, um Deepfake-Anrufe ins Leere laufen zu lassen.
- Mit einer unangekündigten Phishing-Simulation starten, um Ihre echte Klickrate als Ausgangswert zu kennen.
Phishing verschwindet nicht. KI macht die Köder überzeugender, nicht seltener. Betriebe, die auf kontinuierliche Simulation, phishing-resistente MFA und einen gelebten Meldeprozess setzen, drücken das Risiko trotzdem auf ein beherrschbares Niveau. Der Unterschied ist kein grösseres Budget. Es ist die Entscheidung, den Menschen zu üben statt einmal im Jahr zu schulen.
Wie anfällig ist Ihr Unternehmen wirklich? Ein kostenloses Erst-Audit von Red Team Partners schickt Ihren Leuten eine realistische Simulation und liefert Ihnen die echte Klickrate, den wahrscheinlichsten Weg hinein und eine priorisierte Fix-Liste, geschrieben für Ihre Technik und Ihren Vorstand. Enterprise-grade. Nicht enterprise-priced.
References
Sources
- Bundesamt für Cybersicherheit (BACS). Lagebericht und Phishing-Statistik 2024. BACS, 2024. ncsc.admin.ch
- Verizon. 2024 Data Breach Investigations Report (DBIR). Verizon Business, 2024. verizon.com
- IBM Security. Cost of a Data Breach Report 2024. IBM Corporation, 2024. ibm.com
- HP Wolf Security. Threat Insights Report 2024. HP Inc., 2024. threatresearch.ext.hp.com
- SlashNext. The State of Phishing 2023. SlashNext Inc., 2023. slashnext.com
- Lain, Kohls, Zünd, Capkun. Phishing in Organizations: Findings from a Large-Scale and Long-Term Study. ETH Zürich, 2022. arxiv.org
- Proofpoint. State of the Phish 2024. Proofpoint Inc., 2024. proofpoint.com