Field Notes / Lieferkette
PK Softech: Der EDÖB untersucht jetzt den Lieferanten. Seine drei Fragen sollten Sie heute über Ihre eigenen beantworten können.
Am 22. Oktober 2026 hat der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte eine formelle Untersuchung gegen die PK Softech AG eröffnet, die Softwarelieferantin von Publica und weiteren Pensionskassen. Laut Berichten steckt die Ransomware-Gruppe Akira dahinter, mit rund 100 Gigabyte erbeuteter Daten. Was der EDÖB jetzt prüft, warum Lieferanten das bevorzugte Ziel sind und welche Antworten Sie über Ihre eigenen Lieferanten bereit haben sollten.
01 Was seit dem 13. Oktober dazugekommen ist
m 13. Oktober schrieben wir, dass der Angriff bei Publica über ihren Softwarelieferanten lief (unsere erste Analyse). Am 21. Oktober folgte der Name des Lieferanten, die Ransomware-Gruppe Akira und die Daten der Pensionskasse Stadt Zürich, die für einen Systemwechsel beim Lieferanten lagen (unsere zweite Analyse). Jetzt fragt eine Behörde nach. Am 22. Oktober eröffnete der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte eine formelle Untersuchung gegen die PK Softech AG aus Reinach BL. Im Visier steht damit der Lieferant selbst Klein Report 2026 .
Die Chronologie, zusammengesetzt aus den Meldungen der letzten vier Wochen:
| Datum | Was passierte | Quelle |
|---|---|---|
| 29. September | Schadsoftware gelangt in die Systeme des Lieferanten und verschlüsselt Daten. Der Lieferant erstattet Strafanzeige. | Polizei.news |
| 8. Oktober | PK Softech meldet den Angriff dem EDÖB. Publica informiert über einen Datenabfluss. | Klein Report, SRF |
| 14. Oktober | Der EDÖB beginnt eine informelle Vorabklärung bei Publica. | watson |
| 15. und 16. Oktober | BPK und BLVK melden, dass Personendaten laut Lieferant wahrscheinlich abgeflossen sind. | Polizei.news |
| 22. Oktober | Der EDÖB eröffnet die formelle Untersuchung gegen PK Softech. | Klein Report, cash.ch |
| 24. Oktober | Berichte nennen Akira als Täterschaft, rund 100 GB komprimierte Daten. | inuit.at |
Bei Publica allein geht es um über 110’000 Versicherte und Rentenbeziehende. Ob alle oder nur ein Teil betroffen sind, ist offen. Möglicherweise abgeflossen sind laut Publica Name, Geburtsdatum, AHV-Nummer, Adresse, Telefon und E-Mail, Lohn, versicherter Verdienst, Vorsorgeguthaben, Zivilstand und Angaben zu Partnerinnen und Partnern SRF 2026 . Laut watson sprechen Bundesrat und Sicherheitsbehörden von deutlich über 100’000 aktuellen und ehemaligen Bundesangestellten watson 2026 . Die Vorsorgeguthaben selbst und die Renten sind laut den Kassen nicht gefährdet Polizei.news 2026 .
02 Was der EDÖB jetzt prüft
Lesen Sie diese drei Punkte als Fragen. Welche Daten haben Sie dem Lieferanten gegeben? Auf welcher Grundlage, und wurde das so umgesetzt, wie es auf dem Papier steht? Und wie viel davon war im Moment des Angriffs tatsächlich bei ihm erreichbar?
Die erste Frage beantworten die meisten Organisationen mit einem Vertrag. Die zweite mit einem Fragebogen, den der Lieferant ausgefüllt hat. Die dritte kann ohne Test niemand beantworten, weder Sie noch der Lieferant. Genau diese Lücke wird jetzt von aussen ausgeleuchtet, mit einer Behörde als Fragesteller und mehreren Pensionskassen als Publikum.
03 Warum Lieferanten das Ziel sind
Ein Softwarehaus für Pensionskassen hält die Daten vieler Kassen gleichzeitig. Für eine Ransomware-Gruppe ist das ein Einbruch mit mehreren Opfern. Akira soll rund 100 Gigabyte komprimierte Daten erbeutet haben und erpresst das Unternehmen mit der Veröffentlichung inuit.at 2026 . Die Kassen selbst mussten dafür nicht angegriffen werden.
Dazu kommt, dass solche Angriffe billig geworden sind. Am selben Wochenende, an dem die Akira-Berichte erschienen, beschrieb ein deutscher Softwarehersteller ohne Verbindung zu diesem Fall, was er gerade erlebt hatte. Tobit.Software aus Ahaus, dessen Lösungen rund 2’000 Partner im deutschsprachigen Raum einsetzen, meldete automatisierte Angriffsversuche in bisher unbekannter Menge. Auf einigen Installationen konnten Unbefugte Chats mit KI-Agenten starten, nach Angaben des Unternehmens ohne Abfluss von Personendaten wortfilter.de 2026 .
«Cyberangriffe waren noch nie so günstig, einfach und effektiv wie heute.»
Ludwig Groten, CEO von Tobit.Software, auf LinkedIn (zitiert nach wortfilter.de)
Groten schrieb auch, er habe die Warnungen der KI-Anbieter immer für Marketing gehalten. Jetzt werde «einfach alles angegriffen, was erreichbar ist, rund um die Uhr». Für Ihre Lieferkette heisst das: Ihr Lieferant muss nicht gezielt ausgesucht werden, um getroffen zu werden. Es reicht, dass er erreichbar ist und Daten von Ihnen hält.
In unseren Einsätzen bei Finanz- und Vorsorgekunden sehen wir das wiederkehrende Muster. Der kürzeste Weg zu den Versichertendaten führt über einen Wartungszugang oder eine Datenkopie beim Softwarehaus, die beide Seiten kennen und keine Seite testet.
04 Die drei Fragen, gestellt an Ihre Lieferanten
Nach Artikel 9 DSG bleiben Sie verantwortlich, wenn ein Lieferant Ihre Personendaten bearbeitet, und müssen sich vergewissern, dass er die Datensicherheit gewährleisten kann. Er meldet Ihnen eine Verletzung nach Artikel 24 Absatz 3 so rasch als möglich. Die Meldung an den EDÖB bleibt Ihre Aufgabe DSG Art. 9, 24 . Sechs Punkte machen die Fragen des EDÖB zu Ihrer eigenen Prüfliste:
- Datenliste pro Lieferant. Welche Felder liegen bei ihm, in Produktion, Test, Backup und Support-Tickets? Was nicht auf der Liste steht, dürfte er nicht haben.
- Datenminimierung. Braucht der Lieferant AHV-Nummer, Lohn und Partnerdaten für seine Aufgabe? Wenn nicht, gehören sie nicht zu ihm.
- Keine echten Daten in Testumgebungen. Synthetische oder anonymisierte Daten für alles ausser dem Produktivbetrieb, schriftlich zugesichert.
- Zugangswege kennen und testen. Jeder Fernwartungszugang mit zweitem Faktor, zeitlich begrenzt und protokolliert. Prüfen Sie, wohin ein Angreifer mit den Zugangsdaten des Lieferanten kommt.
- Testnachweis statt Fragebogen. Der Bericht eines unabhängigen Penetrationstests, nicht älter als zwölf Monate, mit Umfang, Befunden und Nachweis der Behebung.
- Meldefrist in Stunden. Eine Zahl im Vertrag, zum Beispiel 24 Stunden ab Entdeckung, damit Ihre eigene Meldung nicht am Lieferanten hängen bleibt.
Könnten Sie die drei Fragen des EDÖB heute für jeden Ihrer Lieferanten beantworten? Wenn nicht, beginnen wir mit der dritten. Ihre Threat Map zeigt jeden Weg, über den ein Angreifer via Lieferant zu Ihren Daten kommt, geprüft und nach Risiko geordnet, in 14 Tagen.
References
Sources
- watson.ch. Hackerangriff auf PK Softech AG: EDÖB startet formelle Untersuchung. 23. Oktober 2026. watson.ch
- Klein Report. Oberster Datenschützer leitet Untersuchung nach Abfluss von Publica-Daten gegen PK Softech ein. 24. Oktober 2026. kleinreport.ch
- cash.ch. Nach Cyberangriff ermittelt der Datenschutzbeauftragte. 23. Oktober 2026. cash.ch
- Polizei.news. Cyberangriff auf Pensionskassen-Zulieferer: Personendaten gestohlen. 18. Oktober 2026. polizeinews.ch
- SRF. Pensionskasse des Bundes: Name, AHV-Nummer, Lohn. Angreifer erbeuten sensible Daten. 8. Oktober 2026. srf.ch
- inuit.at. Angriffe auf Pensionskassen: Datenschutzbeauftragter leitet formelle Untersuchung gegen PK Softech ein. 24. Oktober 2026. inuit.at
- wortfilter.de. Tobit Cyberangriffe: Fremde starten Chats mit KI-Agents. 25. Oktober 2026. wortfilter.de
- Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG), Art. 9 und Art. 24. SR 235.1. fedlex.admin.ch